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    Ein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse: Warum wir wieder lernen müssen, uns selbst zu spüren

    Geschätzte Lesedauer: 8-10 Minuten


    In den letzten Wochen habe ich unglaublich viele Nachrichten und Kommentare zum Thema Fliegenpilz, Heilmittel und Naturmedizin bekommen. Es waren tatsächlich so viele Nachrichten, dass ich nicht jede einzelne beantworten kann.

    Einige Fragen tauchen dabei immer wieder auf:

    Wie viel nimmst du davon?

    Wie dosierst du ihn?

    Wie viele Gramm?

    Ich habe gehört, das ist giftig – wie siehst du das?

    Und ich verstehe diese Fragen. Gleichzeitig merke ich dabei, dass sie für mich auf ein viel größeres Thema hinweisen.

    Wir wollen für fast alles, was uns im Leben begegnet, eine genaue Angabe, ein exaktes Rezept, eine Anleitung.

    Wie viel davon? Wie oft? Zu welcher Uhrzeit? Wie lange? Welche Menge ist richtig?

    Und irgendwann habe ich mich gefragt: Wann haben wir eigentlich aufgehört, selbst zu spüren, was wir brauchen?

    Denn wenn ich ganz ehrlich bin: Ich habe teilweise nicht einmal bei meinem Brotrezept genaue Mengenangaben. Geschweige denn bei meinen Heilmitteln und Tinkturen. Fast ALLES, was ich herstelle, entsteht aus Gefühl.

    Ich mache das Meiste in meinem Leben nach reinem Gefühl.

    Nicht, weil mir Genauigkeit grundsätzlich egal wäre. Sondern weil ich über die Jahre gelernt habe, wirklich wahrzunehmen. Versuche mal, für dich selbst die folgenden Fragen im Kopf zu beantworten, damit du ein Gefühl dafür bekommst, was dich in diesem Blog-Beitrag erwartet:

    Wie fühlt sich ein guter Tag an?

    Wie riecht ein Brot-Vorteig nach 16 Stunden Fermentation? (Für die Brotbäcker unter euch!)

    Wann bin ich eigentlich nach einem Essen wirklich satt?

    Wie stark trinke ich meinen Kaffee?

    Was tut mir gerade gut?

    Wann ist mir etwas zu viel?

    Und wann brauche ich etwas überhaupt nicht?

    Für mich ist dieses Gefühl für die eigenen Bedürfnisse einer der wichtigsten Teile von Selbstführung geworden.

    Wir sind daran gewöhnt, dass jemand anderes „besser“ weiß, was wir brauchen

    Eigentlich beginnt das schon sehr früh. Ein gutes Beispiel hierzu sind für mich Babys.

    Da gibt es Angaben, Empfehlungen und Vorstellungen darüber, wie viel Nahrung ein Baby braucht, damit es sich gut entwickelt. Gleichzeitig gibt es eine Mutter, die ihr Kind jeden Tag erlebt.

    In meinen Augen kann nur eine Mutter exakt wissen, was ihr Baby gerade am meisten braucht. Denn niemand im Außen kennt die Familie. Die Geschichte der Eltern. Oder die tatsächlichen Bedürfnisse des Babys. Es grenzt an Übergriffigkeit und schamlose Geldmacherei.

    Die Mutter ist dem Baby am nächsten. Sie sieht es. Sie hört es. Sie spürt, wann etwas anders ist. Sie lernt seine Signale von Geburt an kennen. Und wächst mit ihm jeden Tag, lernt jeden Tag.

    Und trotzdem leben wir in einer Welt, in der wir sehr früh lernen, uns an Vorgaben von außen zu orientieren.

    Wie viel sollen wir essen? Sollen wir Kalorien zählen?

    Wann sollen wir essen? Wenn die Uhrzeit es vorschreibt?

    Wie viel Schlaf brauchen wir? Damit wir in ein Arbeitssystem passen?

    Wie viel Bewegung? Damit wir keine Zeit für Ruhe haben?

    Wie viel Wasser? Damit wir abhängig und manipulierbar sind?

    Wie viel von einem bestimmten Mittel? Damit es sich gut verkaufen lässt?

    Wie viel von diesem und jenem? Damit wir vollkommen abhängig von den Mafia-Industrien werden?

    Natürlich können solche Angaben eine Orientierung sein. Ich halte Orientierung auch nicht grundsätzlich für falsch.

    Schwierig wird es für mich dann, wenn eine allgemeine Vorgabe wichtiger und anerkannter wird als die eigene Wahrnehmung.

    Denn Menschen sind absolut unterschiedlich und komplett individuell.

    Und Situationen sind unterschiedlich. Leben sind unterschiedlich. Ebenso die Lebensbedingungen.

    Die Natur funktioniert nirgends in exakten Maßen oder Mengenangaben.

    Gerade bei Naturmitteln wird dieses Denken besonders interessant.

    Wenn ich einen standardisierten oder extrahierten Stoff habe, kann ich bestimmte Mengen natürlich wesentlich genauer angeben.

    Aber eine Pflanze oder ein Pilz aus der Natur ist kein industriell normiertes Produkt.

    Schon beim Salz merkt man das.

    Wie viel Salz gehört in ein Gericht?

    Ein Gramm? Zwei Gramm? Ein Teelöffel?

    Das hängt unter anderem davon ab, welches Salz ich verwende und natürlich davon, was ich überhaupt zubereite und wie es mir schmeckt.

    Beim Kaffee ist es genauso.

    Wie viel Kaffee brauche ich für eine Tasse?

    Die Frage lässt sich ohne weiteren Zusammenhang kaum sinnvoll beantworten.

    Wie stark ist der Kaffee?

    Wie wurde er geröstet?

    Wie möchtest du ihn trinken?

    Wie stark möchtest du ihn heute überhaupt?

    Bei Pflanzen, Pilzen oder Baumharzen wird es noch komplexer. Wir haben es mit natürlichen Stoffen zu tun, die nicht überall und jederzeit exakt gleich zusammengesetzt sind.

    Genau deshalb tue ich mich auch so schwer mit pauschalen Aussagen nach dem Motto:

    „Nimm genau so viel davon.“

    Der Fliegenpilz hat mir dieses Problem gerade wieder gezeigt

    Durch mein Reel zum Fliegenpilz ist dieses Thema für mich gerade sehr präsent.

    Hier kannst du es nochmal ansehen (Instagram Reel zum Fliegenpilz: https://www.instagram.com/reel/DbNVlkRDFIV/?utm_source=ig_web_copy_link&srtk=MWQ1ZGUxMzBkMA== )

    Viele Menschen wollen von mir wissen, wie viel Fliegenpilz ich verwende und welche Menge ich empfehlen würde.

    Ich kann darüber sprechen, wie ich persönlich damit umgehe und welche Erfahrungen ich gemacht habe.

    Aber daraus möchte ich keine allgemeingültige Dosierungsanleitung für andere Menschen machen.

    Vielleicht auch interessant: Mein Gesundheitsweg und mein Vertrauen in den Körper – Artikel jetzt lesen

    Schon allein deshalb, weil ein Naturprodukt nicht automatisch immer dieselbe Konzentration bestimmter Inhaltsstoffe besitzt. Beim Fliegenpilz betrifft das beispielsweise Ibotensäure und Muscimol. Standort, Größe, Farbe und der einzelne Pilz können dabei Unterschiede machen.

    Und dann kommt noch ein weiterer Faktor hinzu:

    der Mensch.

    Was für mich eine bestimmte Menge bedeutet, muss für einen anderen Menschen nicht dasselbe bedeuten.

    Genau deshalb finde ich die Frage hinter der Dosierungsfrage eigentlich viel spannender:

    Wie gut kennst du deinen eigenen Körper überhaupt?

    Was braucht dein Körper aktuell?

    Ein Gefühl zu haben bedeutet nicht, einfach irgendetwas zu machen

    Wenn ich davon spreche, nach Gefühl zu handeln, meine ich nicht:

    Augen zu und irgendwie machen.

    Ich meine auch nicht, Fachwissen, Therapeuten, Ärzte oder andere Orientierung grundsätzlich abzulehnen.

    Für mich bedeutet ein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse etwas anderes.

    Es bedeutet, dass die eigene Wahrnehmung überhaupt wieder eine Rolle bei einer Entscheidung spielen darf – und auch soll!

    Ich kann Informationen von außen bekommen.

    Ich kann jemanden fragen, der mehr Erfahrung hat als ich.

    Ich kann mir Unterstützung holen.

    Und trotzdem bin am Ende ICH der Mensch, der mit der Entscheidung leben muss.

    Selbst wenn mir jemand eine klare Empfehlung gibt, bleibt mein Körper mein Körper.

    Das gilt nicht nur für Pflanzen oder Pilze.

    Das gilt für Essen, Bewegung, Schlaf, Arbeit, Beziehungen, Grenzen, Nahrungsergänzung und viele andere Bereiche meines Lebens.

    Die Entscheidung kann mir letztendlich niemand vollständig abnehmen.

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    Das Gefühl entsteht durch Erfahrung

    Ich glaube, dass viele beim Wort „Gefühl“ an etwas sehr Ungefähres denken.

    Für mich ist es oft ziemlich praktisch.

    Nehmen wir mein Brot.

    Wenn ich Brot backe, brauche ich nicht jedes Mal eine exakte Anleitung, um zu erkennen, ob ein Teig gut aussieht.

    Ich habe über die Zeit ein Gefühl dafür entwickelt.

    Ich sehe den Teig.

    Ich fasse ihn an.

    Ich rieche daran.

    Gerade beim Fermentieren finde ich den Geruch unglaublich interessant.

    Nach ungefähr 16 Stunden kann ich inzwischen ziemlich gut einschätzen, ob sich ein Vorteig für mich richtig entwickelt hat. Ich kenne den Geruch eines Teiges, aus dem wahrscheinlich ein leckeres Brot wird. Und ich kenne mittlerweile auch den Geruch, wenn etwas zu sauer geworden ist oder nicht so geworden ist, wie ich es haben möchte.

    Dieses Wissen habe ich nicht bekommen, indem ich eine Tabelle auswendig gelernt habe.

    Ich habe Brot gebacken.

    Ich habe gerochen.

    Ich habe probiert.

    Ich habe Fehler gemacht.

    Und mein Körper hat gelernt.

    Genau das meine ich mit einem Gefühl.

    Es ist für mich nichts Abgehobenes.

    Es ist gelebte Erfahrung.

    Dein Körper spricht wahrscheinlich längst mit dir

    Beim Essen ist es eigentlich noch offensichtlicher.

    Ich spüre, wenn ich satt bin.

    Ich spüre, was mir schmeckt.

    Ich kann auch spüren, wenn ich etwas gegessen habe und mein Körper danach nicht besonders begeistert davon ist.

    Das Problem ist für mich deshalb häufig gar nicht, dass der Körper keine Signale sendet.

    Das Problem ist, dass wir sie übergehen. Und viele Menschen machen das tagtäglich und sehr konsequent.

    Vielleicht kennst du das vom Essen.

    Eigentlich bist du satt, isst aber weiter.

    Du bist müde, arbeitest aber weiter.

    Du merkst, dass dir eine Situation nicht guttut, bleibst aber trotzdem darin.

    Du merkst, dass du Ruhe brauchst, erzählst dir aber im Kopf, dass du jetzt keine Zeit dafür hast.

    Das Signal war da.

    Wir haben es nur nicht berücksichtigt.

    Und wenn ich das immer wieder mache, brauche ich mich irgendwann nicht zu wundern, wenn ich meine eigenen Signale immer schlechter verstehe.

    Der Kopf kann eine ziemlich überzeugende Geschichte erzählen – aber er kann kein Gefühl für den Körper haben oder dieses ersetzen

    Das finde ich an diesem ganzen Thema besonders spannend.

    Wir spüren teilweise ziemlich genau, was eigentlich los ist.

    Und dann kommt der Kopf.

    Er hat Gründe.

    Argumente.

    Erklärungen.

    Vorstellungen davon, was jetzt richtig wäre.

    Und plötzlich bekommt diese Geschichte mehr Gewicht als das, was ich gerade tatsächlich wahrnehme.

    Für mich liegt genau darin ein großer Teil des Problems.

    Ich möchte meinen Kopf nicht abschalten. Ich brauche ihn.

    Aber ich möchte ihm auch nicht automatisch mehr Vertrauen schenken als meiner eigenen Wahrnehmung.

    Auch interessant: „Warum du dir selbst nicht mehr vertraust“ – Artikel jetzt lesen

    Ich will beides benutzen.

    Denken und spüren.

    Wissen und wahrnehmen.

    Information von außen und Erfahrung von innen.

    Man kann sich selbst wieder einfache Fragen stellen

    Ich mache daraus keine komplizierte Praxis.

    Manchmal reicht es für mich tatsächlich, kurz innezuhalten und mir eine ehrliche Frage zu stellen.

    Was brauche ich gerade?

    Tut mir das gut?

    Will ich das wirklich?

    Brauche ich davon mehr, weniger oder vielleicht gerade gar nichts?

    Ich mache das zum Beispiel auch bei Nahrungsergänzung.

    Dann frage ich mich nicht nur: Was könnte man theoretisch nehmen?

    Sondern ich schaue darauf, womit ich mich gerade beschäftige und worauf ich meinen Körper momentan ausrichte.

    Wenn ich beispielsweise gerade stärker auf Muskelaufbau fokussiert bin, entstehen daraus andere Bedürfnisse als in einer anderen Phase meines Lebens.

    Das bedeutet nicht, dass jede spontane Eingebung automatisch richtig ist. Aber sie ist meistens genau das, was der Körper wirklich braucht. Sofern es ein reines Gefühl ist – und nicht durch die Geschichten des Verstandes vernebelt wird.

    Es bedeutet für mich erst einmal nur, mich selbst überhaupt in die Entscheidung einzubeziehen.

    Auch bei Pflanzen oder allgemein bei Naturmedizin kann ich mich damit beschäftigen.

    Ich kann etwas in die Hand nehmen.

    Ich kann mir vorstellen, es einzunehmen.

    Ich kann beobachten, was dabei in mir passiert.

    Wie fühlt sich dieser Gedanke an?

    Und dann braucht es Ehrlichkeit.

    Und genau hier wird es etwas schwieriger.

    Nicht beim Spüren.

    Sondern beim ehrlichen Zuhören. Beim ehrlichen Wahrnehmen.

    Selbstwahrnehmung bedeutet für mich auch Eigenverantwortung

    Natürlich kann ein anderer Mensch bei solchen Prozessen unterstützen.

    Ein Therapeut kann mir helfen, Dinge klarer zu sehen.

    Ein Arzt kann mit mir sein Wissen teilen.

    Ein erfahrener Mensch kann seine Erfahrungen mit mir teilen.

    Ein Lehrer kann mir zeigen, worauf ich achten kann.

    Ich finde solche Unterstützung wertvoll.

    Aber eine Entscheidungshilfe ist für mich etwas anderes als die Abgabe meiner eigenen Verantwortung.

    Am Ende treffe ich meine Entscheidungen immer selbst. Auch meine Verantwortung abzugeben IST eine Entscheidung.

    Und dafür möchte ich mich selbst möglichst gut kennen.

    Genau deshalb ist Körperwahrnehmung für mich auch nichts Nebensächliches.

    Sie betrifft mein ganzes Leben.

    Denn wenn ich nicht wahrnehme, was ich brauche, wie soll ich dann ein Leben führen, das tatsächlich zu mir passt?

    Auch interessant: Artikel über Körperarbeit und Selbstführung – jetzt lesen

    Vielleicht brauchen wir nicht noch mehr Anleitungen

    Wir leben heute mit unglaublich vielen Informationen.

    Für beinahe alles gibt es eine Anleitung.

    Einen Rechner.

    Eine Tabelle.

    Eine App.

    Eine Empfehlung.

    Eine Person im Internet, die uns sagt, was wir morgens, mittags und abends tun sollen.

    Und trotzdem habe ich nicht den Eindruck, dass Menschen dadurch automatisch besser wissen, was sie brauchen.

    Vielleicht fehlt uns an manchen Stellen nicht noch eine weitere Anleitung.

    Vielleicht fehlt uns Erfahrung.

    Beobachtung.

    Zeit.

    Und die Bereitschaft, den eigenen Körper wieder kennenzulernen.

    Ein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse entsteht für mich nicht dadurch, dass ich nie wieder jemanden um Rat frage.

    Es entsteht dadurch, dass ich mich selbst wieder wertschätze und mir Zeit und Raum nehme, meine eigenen Bedürfnisse überhaupt erst kennenzulernen und dann auch täglich wahrzunehmen.

    Ich kann neues Wissen aufnehmen und trotzdem in meinen Körper hineinspüren.

    Ich kann eine Empfehlung hören und trotzdem selbst beobachten.

    Ich kann Erfahrungen anderer ernst nehmen und trotzdem meine eigenen machen.

    Und je öfter ich das tue, desto besser lerne ich mich kennen.

    So wie ich irgendwann gelernt habe, wie mein Brotteig riechen soll. Oder eine gute Tinktur angesetzt wird.

    Nicht weil mir jemand gesagt hat:

    „Nach 16 Stunden muss dein Teig exakt so riechen.“
    „Mit 34% Alkohol braucht deine Tinktur mit 300 Gramm Pflanzenmaterial exakt 3 Wochen Ziehzeit.“

    Sondern weil ich diese Dinge oft genug gemacht habe.

    Vielleicht ist das ein ziemlich gutes Bild für das Leben.

    Du kannst dir vieles erklären lassen.

    Aber manches musst du selbst erleben, damit du irgendwann weißt, wie es sich für dich anfühlt.

    Und genau dieses Wissen kann dir niemand von außen geben.

    Kein Buch, kein Chat GPT, keine Universität und keine Ausbildung können dir das abnehmen, was du nur durch deine eigenen Erfahrungen lernen kannst. Und das braucht Zeit. Vorspulen oder Überspringen funktioniert hier nicht.

    Deshalb: Nehme dir Zeit für deine eigenen Erfahrungen und Lernprozesse.


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